Ziemlich versteckt liegt am Rande der Altstadt von Bad Waldsee in Oberschwaben ein reizvolles Kleinod - das Spätzle-Museum im Vötschenturm. Der Mauerturm der inneren Stadtmauer von 1403 wurde erstmals 1528 als Turm am Vötschenhaus erwähnt. Die Familie Vötsch stellte im 15. und 16. Jahrhundert Stadtamtmänner und Bürgermeister.

2013 verwirklichtigte dort Heidi Huber ihren Traum und eröffnete auf drei über eine enge Wendeltreppe erreichbaren "Etagen" ihr Spätzle-Museum. Wir haben sie besucht und können allen Spätzlefreunden eine Stippvisite nur ans Herzlegen. Von März bis Oktober ist das Museum Samstags und Sonntags geöffnet.

DIE LAGE

Bad Waldsee in Oberschwaben liegt in idealer Lage. Österreich und die Schweiz sind nur durch den Bodensee getrennt - das schafft man innerhalb einer Stunde, egal ob mit dem Auto oder im Zug. Das Moorbad hat fünf Kliniken. Der örtliche Einzelhandel und die Gastronomie sind gut aufgestellt.

Und, vor allem, Bad Waldsee hat ein Herz für Autofahrer - man parkt hier auf großen Plätzen am Rande der historischen Altstadt. Die erste Stunde ist frei, jede weitere Minute kostet einen Cent. Wer drei Stunden in der Stadt verweilt, zahlt also nur 1,20 Euro. Wunderbare Lösung, denn die Straßen und Gässchen sind autofrei - allenfalls "stören" die Radfahrer, aber die müssen ja in den Fußgängerzonen auch absteigen.
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DIE IDEE

Die Idee, sich für Spätzle und alles, was dazu gehört, kam Heidi Huber, als sie von ihrer Oma einen alten "Spätzledrucker" und ein Brettle erhielt. Offiziell heißen die zylindrischen Gefäße mit ihren beiden langen Hebeln "Spätzlepresse", aber in Oberschwaben werden Spätzle nicht gepresst, sondern "gedruckt".

"Ich bin in Oberschwaben aufgewachsen und für mich gehören die selbstgemachten Spätzle einfach zu meiner Kindheit" sagt sie im Museumsflyer über sich selbst. Alles, was es im Spätzlemuseum zu sehen und zu bestaunen und manchmal auch zum Anfassen gibt, sei für sie ein Stückchen Identität und Heimat.

Wenn man Frau Huber, die unter der Woche technische Dokumentationen erstellt und vom Beruf her Verständnis für Mechanik hat, zuhört, erlebt man die Leidenschaft für das Sammeln solcher Kulturgüter. Immer wieder entdeckt sie auf Flohmärkten oder in alten Bauernhäusern das eine oder andere gute Stück. Auch manche Besucher gaben ihr Tipps oder vermittelten ihr Kontakte zu Menschen, die etwas fürs Museum anboten.

"Da muss ich oft lange überlegen, ob ich mir das auch noch in den Turm stelle". Platzmangel? Nein, für Raritäten gäbe es immer noch ein Plätzchen. Außerdem: Ein Museum lebt und schon von daher wird es sich immer wieder etwas verändern.

DIE EXPONATE

Eines der schönsten Stücke ist ein wohl damals selbstgemachtes Brettle. Im Griffteil sind zwei Löcher ausgesägt, groß genug für die „schaffigen Hände“ der Bauersfrau. Auf dem Brett selbst ist ein achtfacher Stern eingeritzt.

Auch eine Bauern-Puppenküche als dem Jahr 1870 wird präsentiert und zeigt, wie die Hausfrauen-Welt zu damaliger Zeit wohl ausgesehen haben mag. Ein Video zeigt den Guss von Spätzledruckern und seine Weiterverarbeitung. Allerlei Geräte wurden erfunden, um den Teig über kleine oder größere Löcher direkt in das kochende Wasser plumpsen zu lassen. Einige dürfte man heute gar nicht mehr in Betrieb nehmen, weil offene Kegelzahlräder zu gefährlich für die Hände waren.

Eher verschämt platziert, aber aus Dokumentationsgründen unerlässlich, sind manche „Jahrmarktserfindungen“, die zwar teilweise mit guter Public Relations als Sensation vorgestellt wurden, in der Praxis aber weitgehend untauglich sind oder zumindest schwieriger zu bedienen und zu reinigen sind als Brettle und Schaber.

Raum gibt die Ausstellung auch der industriellen Großfertigung von Spätzle. Da werden passende Maschinenteile gezeigt, die den Teig ziemlich genau nachformen können. Von der Firma ALBGOLD, einer traditionell schwäbischen Eiernudelfabrik, sieht man auch Exponate und vor allem den Spätzle-Stuhl – ein Kunstwerk der besonderen Art. Unter der gläsernen Sitzfläche sieht man diverse Ausformungen von Spätzle und „Knöpfle“ (wie sie anderswo genannt werden). In den Stuhlbeinen sind hinter Glas Getreidesorten zu sehen. Auf der Traverse finden Hühnereier Platz und in der Lehne stecken gelochte Bleichteile für die maschinelle Fertigung der Teigwaren. Den Stuhl hat Frau Hübner bei der Aktion 60 Jahre Baden-Württemberg gesehen und für ihr Museum ersteigert.

Einen kleinen Streifzug durch den Turm sehen Sie in der Bildergalerie. Klick auf das Foto macht dieses größer.

INFOS und KONTAKT

Spätzlemuseum Bad Waldsee
Im Vötschenturm
Entenmoos 29
88339 Bad Waldsee

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